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1946 - 1968 Drucken E-Mail
 
Zeitlauf
1960  
Hörspiele sind – außer Tagesnachrichten und Volksmusik – die beliebtesten Sendungen.
 
     
  Zehn Rundfunkanstalten produzieren ca. 350 Neuproduktionen, davon 100-120 Ursendungen – mit insgesamt 1000 Hörspielterminen.  
     
  Meilensteine des Hörspiels Heinrich Böll: »Klopfzeichen«
Meilensteine des Hörspiels Dieter Wellershoff: »Der Minotaurus«
 
     
  29. November
Der Deutschlandfunk / die Deutsche Welle (DLF / DW) entsteht.
 
     
Zeitlauf
1961  
Bücher über das Hörspiel Friedrich Knilli: »Das Hörspiel – Mittel und Möglichkeiten eines totalen Schallspiels«
»Jedes Hörereignis kann ein Hörspiel sein. [...] Das Schauspiel kennzeichnen Mimik, Gestik und Gänge im Raum, akustische Raumvorgänge kennzeichnen das Schallspiel: Es ist radiophone Pantomime aus Geräuschen, Tönen, Stimmen.«
»Hörspiel ist somit keine (weitere) literarische Gattung, sondern vom technischen Mittel Radio, der Akustik, des Hörens abhängig, und davon wiederum seine Stilelemente.«
»Das literarische Hörspiel ist heute als Modell eindeutig erschöpft, es bringt nur mehr Gleiches, längst Dagewesenes, Totes hervor. Routine, Sterilität und Phraseologie greifen um sich.«
 
     
  Schwitzke über das Buch von Knilli: »Ein Sektierer polemisiert darin gegen alles, was in 38 Rundfunkjahren als Hörspiel bezeichnet wurde. [...] Ermuntert durch das Beispiel der elektrischen Musik und der musique concrète, läuft er gegen die beherrschende Stellung des Worts im Hörspiel Sturm, möchte vielleicht in Analogie zur Abstraktion in der Bildenden Kunst, die er aber nie zitiert, eine Art abstraktes Hörspiel. [...] Bei der sieben Monaten dauernden Produktion eines elektronischen Zwölf-Minuten-Stückes von Pierre Boulez in Baden-Baden verfiel der ausübende Techniker in Weinkrämpfe; die herzschädigende Wirkung von Tönen ist bekannt, als dass hier genauere Ausführungen nötig wären.«
(Quelle: Schwitzke: »Das Hörspiel«)
 
     
  Themen bis ca. 1961 (nach J.M. Kamps):
Sinnlosigkeit des Krieges, Ost-West-Problem, der innere Widerstand, das Verhältnis zu Juden, der Schuld-Sühne-Komplex, Wohlstandsgesellschaft, Eheleben, Identität, Macht und Faschismus.
 
     
  Zwischen 1925 und 1965 gibt es eine relativ geschlossene Hörspielentwicklung, mit dem Focus auf literarische Hörspiele – Ton, Geräusch, Musik werden nur als Beiwerk verstanden.
Der Durchbruch für ein neues Hörspiel kommt in dem Augenblick, da Regisseure und Dramaturgen genügend Erfahrungen im Umgang mit der Stereophonie hatten, um die Sprache als Geräuschkunstwerk und die Geräusche als sprachpsychologisches Phänomen zu benutzen. Schwitze dagegen warnt vor dem Naturalismus der Sterophonie.
 
     
  01. Januar
16.058.102 Rundfunkteilnehmer und 5.332.143 Fernsehteilnehmer
 
     
Zeitlauf
1963  
Bücher über das Hörspiel Heinz Schwitzke: »Das Hörspiel«
»Mit der Entmaterialisierung der Stimme und den nur als Hilfsmitteln zugelassenen Geräuschen wird eine 'innere Bühne' geschaffen. Zentrales dramaturgisches Element ist die Blende, die imaginäre Hörräume öffnet und wieder schliesst, wodurch das Zusammensetzen verschiedener Raum-Zeit- und Wirklichkeitsebenen möglich wird.«
Das Hörspiel wird bei Schwitzke als dramatisch–episch–lyrisch = innerlich verstanden.
»Innere Handlung, innerer Monolog, imaginärer Dialog, Dialog mit sich selber, das sind Begriffe, von denen her man auch das Hörspiel begreifen muss, der Ort, an dem es spielt, liegt nirgendwo anders als im Gewissen des Hörers.«
Schwitzke ist gegen jeden Naturalismus (Geräusche sind unerträglich) und Sterophonie. Bilder sollen im Kopf entstehen, im Inneren. Sprache, Deklaration sei wirkungsvoller als naturalistisches Geräusch, da sonst Phantasieverlust drohe.
»Im Hörspiel gibt es keine Musik ohne eine Handlungsfunktion und kein Geräusch ohne eine Sinnfunktion für den thematischen Zusammenhang.«
Für Schwitzke sind beim Hörspiel kreisförmige Handlungsverläufe und typisierende Figurenentwürfe typisch.
 
 

 
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