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Zeitlauf Hörspiel des Monats Juli 2007
 
  »Raoul Tranchirers Bemerkungen über die Stille« von Ror Wolf, Regie: Thomas Gerwin, SWR
 
     
  Inhalt
Grundlage des Hörstücks ist ein Band mit Kurzgeschichten, mit dem Ror Wolf 2005 seine umfassende »Enzyklopädie für unerschrockene Leser« abgeschlossen hat.
1983 erschien sein »Vielseitiger Grosser Ratschläger«, ein inzwischen in vielen Ausgaben auf sämtliche Kontinenten verbreitetes Werk. – Bis ins Jahr 2001 arbeitete er ohne sichtbare Ermüdungserscheinungen an seiner vielbändigen »Enzyklopädie für unerschrockene Leser«, dieser einzigartigen Besichtigung der Wirklichkeit, der Weichheit und Bleichheit, der Geschwindigkeit und Geschmacklosigkeit, Gemütlichkeit und Gefräßigkeit, der Trockenheit, der Feuchtigkeit, der Gelassenheit und Verlassenheit, der Gewöhnlichkeit, der Empfindlichkeit, der Grausamkeit, Einsamkeit, Schamlosigkeit und Bequemlichkeit, vor allem aber der Selbstverständlichkeit aller dieser Erscheinungen. – Enzyklopädien sind, wie wir wissen, ihrem Wesen nach unabschließbar. Für Tranchirers Enzyklopädie gilt das nicht. – Zweifellos wird er die Welt weiterhin beobachten, von oben, aus dem 42. Stockwerk, aber er wird sich nicht mehr dazu äußern. Nach seinen »Bemerkungen über die Stille«' schweigt Raoul Tranchirer, sagt Ror Wolf.
 
 
 
  Aus der Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:
Wir haben fünf schwer wiegende Gründe gefunden, dieses Hörspiel aus Texten von Ror Wolf zu prämieren -- abgesehen davon, wie gelungen Thomas Gerwins Komposition und Regie ein Nachschlagewerk aus lauter Literatur zum Klingen bringt:

1. allein die Namen: Scheizhofer, Klomm, Lemm, Wobser, Moll, Nagelschmitz, Schwenk, Netzenstein, Collunder und Mauch
2. der großartige Sprecher Horst Sachtleben
3. ist Ror Wolf ein literarischer Einzelgänger, ein Eigensinniger der experimentellen Literatur. Seine Tranchirer-Lexikontexte zur Welterklärung treten an mit der Pose bürgerlicher und akademischer Rechtschaffenheit und Harmlosigkeit in der Sprechhaltung, aber sarkastisch verweigern sie geschlossene Handlungsräume. Sie unterbrechen Gedankengänge systematisch zur parodistischen Lockerung und erfreulichen Plot-Verweigerung und Irritation des Zuhörers. Wolfs Inhalts-Nullsummenspiel: Am Ende der ironischen Dekonstruktion (er versteht sie gerne als Abbruch), bei letzlicher Betrachtung der Weltverhältnisse bleibt immer das Nichts -- das nicht benannt wird, da schweigt der Autor bedauernd. Der Hörer lockert sich, ihm ist zum Lachen zumute, und wenn er lacht, dann lacht er eben.
4. und
5. Die anderen beiden Gründe sind uns leider entfallen, und zu unserem größten Bedauern können wir den Ernst der Lage nicht mehr in Gänze darstellen.
 
     
  Thomas Gerwin
geboren 1955 in Kassel. Dort studierte er Musik (Gitarre), danach künstlerisches Aufbaustudium der Komposition mit zusätzlichem Schwerpunkt der elektronischen Musik in Stuttgart. Heute arbeitet er als freier Komponist in Berlin. Zahlreiche Kompositionen, Multimedia-Projekte und Klanginstallationen, u.a. die interaktive Licht-Klang-Installation »KlangWeltKarte« im ZKM-Medienmuseum Karlsruhe. Zudem betreut er das inter art project, sein Ensemble »Klanglabor«, das Festival »Klangkunstfest Mitte« und in Kooperation mit dem SWR und dem RBB die Konzertreihe »KlangWelten«. Ausgezeichnet wurde er 1999 mit dem Karl-Sczuka-Förderpreis und dem Sonic Circuits Award, sowie 2007 mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste für die SWR-Produktion »Ponderabilien« zusammen mit Stephan Krass (als Autor) und Ulrich Lampen (für die Regie). Für den SWR hat er viele Stücke in 5.1 Mehrkanalton produziert, u.a. im Jahr 2004 das Originalhörspiel »5 Radio-Installationen«.
 
     
Kommentare (1)add feed
Im Oktober im DLF
geschrieben von Claudia, 02.09.2007

Danke für den Tipp!

Am 06.10.2007 um 20:05 Uhr gibt es dieses Hörspiel im Deutschlandfunk zu hören.

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