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Hörspiel des Monats September 2007
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»Die Händler« von Joël Pommerat
Regie: Marguerite Gateau, Produktion: SR
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Inhalt
Alle, wirklich alle arbeiten bei Norscilor, die ganze Siedlung, die ganze
Stadt, die ganze Region.
Die Beschäftigten bilden eine große Familie. Auch die namenlose
Erzählerin gehört dazu, noch dazu geht sie gern ins Labor, dass
Norscilor Waffen herstellt, stört sie nicht. Auch ihre Freundin würde
gern dort arbeiten, so wie alle anderen auch, zieht sie doch ihren 9jährigen
Sohn allein groß, ist hochverschuldet und auch sonst etwas seltsam.
Das findet die Firma offenkundig auch: Norscilor will sie nicht einstellen,
sie fällt durch alle Tests. Als dieser Standort von Norscilor geschlossen
werden soll, ist es aber gerade diese Freundin, die alle Arbeitsplätze
retten könnte.
»Die Familie ist ein Abbild der Gesellschaft, ein Mikrokosmos, so
konzentriert, dass das auch sehr gut fürs Theater umgesetzt werden
kann. Mein Projekt ist soziologisch. Ich erzählte von der Gesellschaft
und will dafür die Metaphern finden, die aus künstlerischer Sicht
die besten sind
« (Joël Pommerat) |
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Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden
Künste:
»Der SR macht sich seit Jahrzehnten verdient durch die Transportleistung,
französische Literatur dem ARD-Publikum zu Ohren zu bringen. Jetzt
ist er ein besonderes Wagnis eingegangen: Er hat das Stück Les Marchands
des französischen Dramatikers Joël Pommerat im Saarbrücker
Theater Alte Feuerwache produziert und live gesendet. Eine schlüssige,
dichte Produktion mit einem durchweg glänzenden Ensemble.
Die Theaterfabel erzählt von einer Unbekannten, die unter einem Berg
Schulden begraben im 21. Stock wohnt und die Toten für die eigentlich
Lebendigen hält. Immer sind es nur andere, die von ihr Mitteilung geben,
etwa die Erzählerin, ihre Freundin. Vielleicht sind aber alle Figuren
auch ein und dieselbe (gespaltene) Person.
Marguerite Gateaus Regie bewahrt die gezielten Unschärfen des Stücks,
in dem Einbildungen den gleichen Stellenwert wie Erinnerungen haben. Ein
Menschenopfer zum Erhalt einer Rüstungsfabrik -- nur eines von Pommerats
Rätseln, Wundern und Geheimnissen in einer Geschichte von Tod und Leben.
Neben der Aufspaltung des Monologs in mehrere Stimmen gibt die Sprache --
übersetzt von Bettina Arlt -- dem Stück Tiefe und unterwandert
mit ihrem fast lehrstückhaften Stil die sogenannte Realität. Was
erzählt wird, stellt sich selbst in Frage. Wir sind die Händler
unseres Lebens. Das ist würdig und ehrbar. Ein Lebenshandel, der sich
im Ohr festsetzt.«
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Joël Pommerat
1963 geboren, französischer Theater- und Kurzfilmautor und Regisseur.
1990 Gründung der Theaterkompanie »Louis Brouillard«, mit
der er seine bisher 17 Stücke als Regisseur zur Uraufführung brachte.
Auf Deutsch liegen bisher vor: »Mit einer Hand« (2005) und »In
der großen Welt« (2006). |
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