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Hörspiel des Jahres 2006
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»Enigma Emmy Göring« von Werner Fritsch
Regie: Werner Fritsch | Dramaturgie: Hans Burkhard Schlichting | Produktion
SWR
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Das 54-minütige Originalhörspiel ist ein fiktiver
Monolog der 1973 gestorbenen ehemaligen Schauspielerin und Ehefrau von Hermann
Göring.
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Begründung der Jury
In »Enigma Emmy Göring« wird die Zeit des Nationalsozialismus
als monströser Frauenmonolog in seiner Absurdität ausgestellt.
Der Sprecherin Irm Hermann in der Rolle der Schauspielerin und Ehefrau Hermann
Görings gelingt es, mit strikt durchgehaltenem operettenhaftem Konversationston
eine verharmlosende Arie auf diese barbarische Zeit zu singen, wo es, nach
Celan, Lieder eigentlich nur noch »jenseits der Menschen« geben
dürfte. Im Wissen um das tatsächlich Geschehene wirkt dieser fiktive
Monolog wie die Fratze der kollektiven Verdrängung »Ewiggestriger.«
Dass der Autor Werner Fritsch die assoziativ angelegte Rückschau in
die Zeit kurz nach 1968 verlegt - die tatsächlich unbelehrbare Emmy
Göring, die 1973 starb, wartet beim Arzt auf ihre Zahnbehandlung -,
wirft ein Licht auch auf die Nachkriegszeit und die 68er-Generation. Nurmehr
als bitter sarkastische Medienkritik kann anmuten, wenn Emmy am Ende des
Hörstücks triumphierend feststellt, daß in Zeiten, in denen
nur noch Einschaltquoten zählen, Adolf Hitler 100 Prozent erreichen
könnte - ein Seitenhieb des Autors auf die sich in den Medien immer
breiter machende Nazi-»Nostalgie.«
Irm Hermann erweist mit ihrer an Variationen der Unverschämtheit und
Dummheit an Virtuosität wohl kaum zu überbietenden Rollenanlage
der akustischen Kunst und damit auch dem Genre Hörspiel alle Ehre.
Jenseits jeder Theaterrealität stellt sie mit ihren Gründgens-
und auch Hitler-Passagen die kläglichen und - aus unserer Sicht - fragwürdigen
Versuche in jüngster Zeit, das Phänomen des Nationalsozialismus
in Gestalt von Bruno Ganz (»Der Untergang«) oder Helge Schneider
(»Der Führer«) zu personifizieren, ein tatsächlich
teuflisches, weil aus dunkelstem Unterbewußtsein kommenden Gesicht
in der abstrakten Kunstform ihrer Stimme entgegen, die mit ihrem süddeutschen
Timbre nichts weniger ist als eine Mimikry an die historische Figur, die
aus dem Hanseatischen stammt. Diese sehr bewusst artifizielle Gestaltung,
die sich im Echoraum einer vom Autor selbst zusammengestellten Klangcollage
bis zum opernhaften Monodram aufschwingt, wirkt so zwingend, und in ihrer
Konsequenz ragt diese SWR-Produktion auch so aus den Produktionen des Jahres
2006 heraus, dass wir sie zum Hörspiel des Jahres küren.
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