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Zeitlauf Hörspielpreis der Kriegsblinden 2006
 
  »Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt« von Schorsch Kamerun. (WDR3)
 
  Die WDR 3-Produktion »Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt« von Schorsch Kamerun.« wurde mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden für das Jahr 2006 prämiert.

Schorsch Kamerun wurde 1963 in Timmendorf geboren. Er ist Sänger und Gründungsmitglied der Hamburger Punkband »Die Goldenen Zitronen«. Seit einigen Jahren ist er auch als Theaterregisseur und -autor tätig. So inszenierte er unter anderem seine Stücke "Macht fressen Würde" am Schauspielhaus Zürich und »Spezialmensch« am Hamburger Schauspielhaus. Anfang 2006 hatte seine Orientierungsoperette »Der Chinese im Kinderbett« am Niedersächsischen Staatstheater Hannover ihre Uraufführung. In der Spielzeit 06/07 hat Schorsch Kamerun das Stück »Macht und Rebel«, nach dem Roman des norwegischen Autors Matias Faldbakken, an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Am 18. April 2007 wird sein eigenes Stück »Der kleine Muck ganz unten« an der Berliner Volksbühne zur Uraufführung kommen. Darin wird es um den so genann­ten »positiven Patriotismus« in Deutschland gehen.Auf der Grundlage der Theaterstücke verfasste Schorsch Kamerun die Hörspiele »Hollywood Elegien« und »Eisstadt« für den WDR, wie auch »Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt«.
 
     
  Inhalt
Schorsch Kamerun spiegelt in seinem Stück die Lebens- und Arbeitswelt, die mit ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen und Sozialbedingungen moderne Menschen zu unglücklich Suchenden werden lässt.
 
 
Aus der Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:
»Kamerun zeichnet das bestürzende Porträt einer Generation, die zwischen Medien­geschwätz, Lifestylemode und Kaufwelt,zwischen verordneter Wahlfreiheit und allgemeiner Beliebigkeit keine Chance auf ein originales Leben, auf authentische Wünsche hat. Kameruns Menschen, leben in einer indirekten Welt, zugeschüttet mit einem Übermaß an Null-Information. Sprechen sie, zitieren sie? Ist das Plattheit oder Ironie? Und wo sind wir überhaupt? In der Wirklichkeit, im Fernsehen, in einer Talkshow, im Gespräch, in der Satire? Kamerun lässt das offen, lässt das Publikum teilhaben an der Desorientierung seiner Figuren.
Sie drehen sich im Kreis, zwischen Praktika und Projekten, zwischen Leerlauf und Wie­derholung. Dazwischen leuchtet wilde Wut auf, ohnmächtige Angst, ziellose Sehnsucht. Protest wird nicht gehört, geht unter im allgemeinen Medienbrei. Hoffnung findet nur vorgefertigte Wege. In bruchstückhaften Zitaten wird an eine Zeit erinnert, in der Auf­klärung und Kunst Werte vorgaben. Heute ist Verweigerung der höchste Wert. Und von den Gedanken der Aufklärung bleibt die Erkenntnis, dass man einen Gedanken eben nicht zu Ende denken kann.
Kamerun inszeniert das mit bestem Gebrauch radiophoner Mittel. Musik und Atmo­sphäre geben das Thema vor, ein auswegloses Kreisen in Wiederholungen, mit winzigs­ten Variationen,mit seltenen Ausbrüchen von intensiver Heftigkeit. In Sprache und Musik sind sehr sorgfältig Kontraste montiert, die sich gegenseitig mattsetzen. Er arbei­tet mit Groteske und Komik - aber wenn man lacht, ist man zugleich tief entsetzt.
Dieses irritierende Stück Gesellschaftskritik überzeugte in der Radikalität der Aussage und dem souveränen Gebrauch des Mediums Radio.«
 
 
 
  Der Hörspielpreis der Kriegsblinden, getragen vom Bund der Kriegsblinden Deutschland e.V. und von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, würdigt jährlich ein deutschsprachiges Hörspiel »das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert«. Der Preis wird am 4. Juni 2007 im Bundesrat in Berlin an Schorsch Kamerun überreicht.
 
     
     
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