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1917 - 1932
 
     
1929  
Erste Blütezeit des Hörspiels.
Die akustische Blende etabliert sich als künstlerisches Stilmittel. Der innere Monolog tritt in den Vordergrund.
 
     
  Friedrich Walter Bischoff: »Hallo! Hier Welle Erdball«  
     
  Ernst Johannsen: »Brigadevermittlung«
Inmitten einer Telefonvermittlungsstelle erlebt der Hörer den Krieg hautnah noch einmal mit. – Das Hörspiel lehnt sich an die Antikriegsromane von Remarque und Renn an.
»Brigadevermittlung« ist innerhalb Deutschlands ein großer Hörspielerfolg und wird auch in ausländischen Programmen gesendet.
 
     
  Erich Schäfer: »Malmgreen«
Das erste ›Pionier‹ Hörspiel (= Polar- und Ozeanexpedition)
Friedrich Wolf: »SOS ... Rao rao ... Foyn ›Krassin rettet Italia‹«
Katastrophe des Luftschiffs ›Italia‹ während des Nordpolfluges.
Die ›Pionier Hörspiele‹ beziehen Reportage-Techniken und dokumentarische Elemente als medienzspezifische Elemente mit ein.
 
     
  Bücher über das Hörspiel Kassler Arbeitstagung (unter anderem mit Alfred Döblin, Arnold Bronnen, Arnold Zweig, Hermann Kasack):
Zentrales Thema ist das künstlerische Spektrum der gesendeten Werke, das für das Verhältnis zwischen Schriftstellern und Rundfunk wesentlich wurde.
»Es ist mir sicher, dass nur auf ganz freier Weise, unter Benutzung lyrischer und epischer Elemente, auch essayistischer, in Zukunft wirkliche Hörspiele möglich werden, die sich zugleich die anderen Möglichkeiten des Rundfunks, Musik und Geräusche für ihre Zwecke nutzbar machen.«
(Hans Bredow: »Aus meinem Archiv«)
 
     
  Aufkommen von Kriegshörspielen nach erfolgreichen Dramen, zum Beispiel
Gerhard Menzel: »Hauptmann Tobbogan«
Erst ab 1932 dominieren reaktionäre Autoren wie Werner Beumelburg, Ernst Jünger, Edwin Erich Dwinger.
Gleichzeitig werden vermehrt ›Arbeitslosenhörspiele‹ gesendet.
 
     
  Hans Flesch zeigt sich davon überzeugt, »dass das Hörspiel weder Theaterstück noch Epos noch Lyrik sein wird.«
Rudolf Rieth (Oberspielleiter in Köln): »Ein Hörspiel ist nun mal kein Lesekränzchen.«
 
     
  01. Januar
2.635.567 Rundfunkteilnehmer
 
     
1930  
Das Geräusch wird zum wichtigsten Stilelement für das Hörspiel.
Eduard Reinacher: »Der Narr mit der Hacke« (Sender Köln)
Ein Mönch gräbt 40 Jahre lang einen Tunnel durch den Berg um die Schuld des Menschen damit abzutragen.
Reinacher benutzt das Geräusch der Hacke, als »Symbol des inneren Kampfes des Mönchs«, so R. Kolb in »Horoskop des Hörspiels«
Reinacher gilt als Wegbereiter des ›Inneren Hörspiels‹, indem die Einheit des Orts im Bewußtsein / Gewissen des Erzählenden stattfindet.
Reinachers Hörspiel läutet damit den eigentlichen Beginn des Hörspiels ein, so Heinz Schwitzke in »Das Hörspiel«.
 
     
  Alfred Döblin: »Die Geschichte von Franz Biberkopf«
Hörspiel nach dem Roman »Berlin Alexanderplatz«.
 
     
  01. Januar
3.066.682 Rundfunkteilnehmer
 
     
1931  
Günter Eich: »Ein Traum am Edsin-gol«
Geno Ohlischlaeger: »Aller Mütter Sohn«
Walter Benjamin: ›Hörstücke‹, unter anderem »Gehaltserhöhung?«
 
     
  01. Januar
3.509.509 Rundfunkteilnehmer
 
     
  10. Oktober
Goebbels beansprucht Einfluss auf die Sendeleitungen, da seine erste Rundfunkrede zensiert wird. – Er übernimmt den Vorsitz des Reichsverbands deutscher Rundfunkhörer.
 
     
1932  
»Verinnerlichung. Äußere Aktualität um jeden Preis muss dem Hörspiel schaden [...] Alle unsere Anschauungen von der äußeren Handlung, von Ort, Zeit, Umwelt und Aussehen der Personen müssen vielmehr aus dem inneren Zusammenhang des Hörspiels hervorgehen. Jedes realistische Bild mit Worten enthält (für den Hörer) oft eine Allegorie = ein bloß realistischer Handlungsvorgang, bloße realistische Figuren sind im Hörspiel wegen der notwendigen Einheit des Inneren und Äußeren, des Gezeigten und Gemeinten nicht darzustellen [...] uns mehr die Bewegung im Menschen, als die Menschen in Bewegung zu zeigen.«
(Kolb »Horoskop des Hörspiels« )
Für Kolb hat das Wort für das Hörspiel ausschlaggebende Bedeutung.

Das monologische Wortkunstwerk mit dem Stilmittel der inneren Bühne verbreitet die Innerlichkeit, die von den Nationalsozialisten als Ideal propagiert wird.
(Rainer Strzolka, »Hörspiel in der Weimarer Republik«, S. 35 )
 
     
  Hermann Kasack: »Der Ruf«
›Arbeitslosenhörspiele‹, wie von Kasack, stehen im Mittelpunkt.
Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen der Arbeitslosigkeit werden meist im inneren Monolog geschildert.
 
     
  E. Kurt Fischer: »Trommel, Trommel, Gong«
ist ein Zeitgedicht für Stimmen, Klänge und Geräusch in fünf Hörbildern. Produziert vom Geräuschstudio der Mary-Wigmann-Schule, Dresden.
(Rainer Strzolka, »Hörspiel in der Weimarer Republik«, S. 33 )
 
     
  Experimente mit Kurzhörspielen, die radikal auf rein akustischen Möglichkeiten aufgebaut sind wurden teilweise in der von Alfred Braun betreuten Senderreihe "Horchposten" durch den Sender Berlin ausgestrahlt, zum Beispiel
Horst Lange: »Der Nächtliche«
Franziska Girgensohn: »Narkose«
Alfred Prugel: »Die Begegnung«
(Rainer Strzolka, »Hörspiel in der Weimarer Republik«, S. 23 )
 
     
  Juli
Neuordnung des Rundfunks. Völlige Verstaatlichung der Sendegesellschaften, bevollmächtigte Staatskommissare, Zentralisation, neue Programmrichtlinien und Überwachungsorgane.
 
     
  12. August
Politischer Rundfunkkommissar des Reichsinnenministers wird Erich Scholz, NSDAP.
 
     
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