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Erich R. Andersens: Das niederdeutsche Hörspiel

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Vom niederdeutschen Hörspiel weiß man in der weiten Welt relativ
wenig, doch erstreckt sich der niederdeutsche Sprachraum von Westfalen bis
hin zur dänischen Grenze, von Ostfriesland über den Harz bis an
die Oder. Diese Mundart mit ihren vielen Dialekten wurde von der Bundesregierung
in die »Europäische Charta zum Schutze der Regional- und Minderheitssprachen«
aufgenommen.
Damit diese Sprache überall verstanden wird, hat man sich beim Niederdeutschen
Hörspiel auf ein ›gemeinsames Plattdeutsch‹ geeinigt (Funkplatt),
es orientiert sich an den Dialekten links und rechts der Elbe. Einzelne
Lokalidiome sind zugelassen.
Es gibt die »Niederdeutschen Hörspielbücher 1, 2 und 3«
sowie ein Hörspielbuch vom Hinstorff-Verlag, Rostock, mit drei Stücken
von Johann D. Bellmann.
Kurze Historie
1932 wurde das Hörstück »Bataillon 18« vom niederdeutschen
Autor Hans Ehrke hochdeutsch gesendet.
Erst nach dem 2.Weltkrieg gab es niederdeutsche Hörspiele von z.
B. Hans Heitmann, August Hinrichs, Albert Mähl, Alma Rogge, Paul
Schurek, Rudolf Kinau. Aber es waren zunächst auf das Hören
umgearbeitete Theaterdramen. Es soll aber ein Hörspiel allein für
die Rundfunk-Dramaturgie geschrieben sein, sozusagen »genuin«
für das Radio verfaßt und produziert.
Dafür sorgten Autoren wie Hinrich Kruse, Ivo Braak, Fritz Arend,
Heinrich Schmidt-Barrien, Walter A. Kreye, Friedrich Hans Schäfer,
etc.
In den 60er Jahren begann das Fernsehen, mit guten und konkurrenzfähigen
Sendungen an der Hörspielattraktion »zu knabbern«, und
auch heute, selbst bei noch so schlechtem Fernsehniveau, muß das
niederdeutsche Hörspiel mit relativ geringer Hörerquote auskommen.
Aber es findet noch immer seine Zuhörer, auch jüngere, allerdings
nicht mehr in der früheren Anzahl.
Doch das plattdeutsche Hörspiel lebt. Es gibt genügend Menschen,
die ihre Sinne nicht verkümmern lassen wollen und Fernsehmanipulation
ablehnen. Sie wollen ihr Empfinden lebendig erhalten und anstelle oberflächlichen
Unterhaltungskonsums sensibler »aufnehmen« (hin- und zuhören),
um das Phantasievermögen und damit ihren Persönlichkeitsgrad nicht
abflachen zu lassen. Das »Hörtheater« trägt bekanntlich
aufs beste dazu bei.
Autoren
Zur Zeit sind etwa 25 niederdeutsche Hörspielautoren und -autorinnen
aktiv. Dazu gehören
* Hermann Otto
* Gerhard Bohde
* Ernst-Otto Schlöpke
* Wolfgang Sieg
* Johann Dieter Bellmann
* Konrad Hansen
* Norbert Johannimloh
* Hilda Kühl
* Gudrun Münster
* Gunda Wirschun
und weitere.
Wir kamen bis 1998 jährlich für ein Wochenende bei Radio Bremen
zusammen, um Produktionen zu hören und zu analysieren, deutlich zu
kritisieren und vor allem auch mit Redakteuren, Regisseuren und Darstellern
zu kommunizieren. Vielleicht ist es der Sendeanstalt möglich, die
notwendigen Arbeitstreffen bald wieder aufleben zu lassen.
Neue Autoren sind gefragt, gute Sprachkenntnis ist neben der üblichen
Fähigkeit zum Hörspielschreiben erforderlich. Jedes Thema lässt
sich auf niederdeutsch eindrucksvoll behandeln – im Gegensatz z. B.
zum plattdeutschen Theater.
Mögen wir weitere Zuhörer (wieder-)finden, die zwar auch, aber
nicht ausschliesslich fernsehen, dafür eine gute Höratmosphäre
geniessen und das Empfangene miterleben und hin und wieder darüber
nachdenken möchten.
Ein Hörspiel schreiben:
Erste Idee (z.B. Menschen in Notsituationen oder die psychische Spannungslage
in einer Person), oft spontan gefaßt während eines Strandspaziergangs
oder wenn eine bestimmte Situation erlebt, gelesen oder erzählt wird.
Die Idee wird ausgebaut und als kleine, in sich schlüssige Fabel
zu Papier gebracht.
Der Erzählschluß wird gefunden.
Die Motivketten und Spannungsbögen werden geschaffen.
Die fertige Geschichte wird erstellt (vorantreibende Handlungsweise, glaubwürdige
Motive, Persönlichkeitsentwicklung, Konflikte, Irrungen und Wendungen
durch Erkenntnis, etc.).
Die Dialogisierung startet, Hintergrund- und Nebengeräusche werden
definiert.
Es erfolgt die Einteilung in Szenen (Schnitte).
Mit etwa 35 DIN A4-Schreibmaschinenseiten á 40 Zeilen bei ca. 50
Anschlägen pro Zeile ist ein 50 Minutenspiel gefüllt.
Man läßt die Sache ein paar Tage ruhen. Korrekturlesen, stilistisch
verbessern, modifizieren.
Die Hörspielredaktion (Lektorat) prüft das Skript auf Qualität
und Plagiatfreiheit, lehnt ab oder nimmt an und begründet die Entscheidung.
Mit der Anzahl gesendeter Stücke steigt gewöhnlich die Annahmewahrscheinlichkeit.
Die Redaktion sucht nach Regisseur, Sprechern und Sprecherinnen je nach
Rollenqualität und Verfügbarkeit und bestimmt die Produktionstermine.
Produktionsablauf
Personenbesetzung je Hörspiel (eine Person bis über ein Dutzend).
Es wird an drei bis fünf Abenden von etwa 20 bis 2 Uhr produziert.
Die Studios befinden sich in Bremen und Hamburg.
Die Pressearbeit wird durchgeführt (Programmvorschau, Pressetexte,
Internet usw.), die Ursendetermine für Radio Bremen und den NDR werden
bestimmt.
Reaktionen auf die Hörspiele
Es gibt schriftliche Kritik in einer Fachzeitschrift, wobei nach Aufbau,
Inhalt, Inszenierung und Darstellerleistung unterschieden wird.
Durch Zuhörer, Fachkritik unter Autoren, Regisseuren, Darsteller
erfolgt weitere Rückwirkung. Vita des Autors
geboren am 30.10.1937 in Westerland/Sylt,
sechs Jahre Seemann, dann Radio- u. Fernsehtechniker, Ingenieur der Nachr.
Technik, Abt.-Leiter für das Trägheitsnavigationssystem des
Starfighters bei Litton Industries, Entwicklungsleiter bei Philips für
Elektronik & Software Engineering, seit 1996 in Pension.
Publikationen
Technische und philosophische Essays, hoch- und niederdeutsche Prosa und
Lyrik, Theater- und Hörspiele. Seit 1982 in der niederdeutschen Kulturarbeit
tätig, insbesondere für Schleswig-Holstein.
Hörspiele
Seit 1986 wurden 20 Hörspiele von mir gesendet, u.a.
»Ole Leevd (Alte Liebe)«
»Arvschop, verdreihte (Verflixte Erbschaft)«
»Nachtzug«
»Trinidad«
»Iesgang (Eisgang)«
»Alfa, Beta, Gamma – Omikron«
»Der Penner und der Präsident«
Alle Jahre soll möglichst ein weiteres folgen.
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