ORIGINALTON | O-TON
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![]() Das Material ist der Originalton (= Interviews, Aufnahmen, Tonbänder) es gibt kaum Erfundenes dabei. Schnitt und Blende sind die eigentlichen Arbeitsmittel. |
Ludwig Harig: Staatsbegräbnis (1969) |
Paul Wühr: Preislied (1971) |
Walter Kempowski: Beethovens 5 (1976) |
Theo Gallehr: Wer hat Angst vor dem Milchmann? (1979) |
Jürgen Geers: Meinungscontainer (1982) |
Jürgen Geers, Inge Kurtz: Liebes Volk: Mehrstimmige Rede zur Lage
der Nation (1986) |
Ralph Oehme, Karl-Heinz Schmidt-Lauzemis: Stille Helden siegen selten
(1990) |
Renke Korn: Warum schreit das Kind der weißen Frau so viel? (1993) |
Walter Filz: Pitcher (2000) |
Hermann Bohlen: Onager (2004) |
| »Originalton (auf Sprache bezogen) heißt:
reden, öffentlich reden oder nicht öffentlich reden. Das Problem,
das der Originalton aufdeckt ist das Problem des veröffentlichten
Redens, im Radio, im Fernsehen.« |
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| »Formüberschreitende Einbeziehung von Elementen
des Features. [...] Für Harig besitzt das Wort auch ausserhalb des
ursprünglichen Zusammenhangs, in dem es stand, einen Sinn, dessen
Schichten er durch kunstvolle Neuordnung ausloten will. Die Collage wird
dabei zum Mittel, mit dessen Hilfe das authentische, allgemein bekannte
Sprachmaterial auf seine verborgene Bedeutungsmöglichkeiten untersucht
wird. [...] Sprachkritik.[...] Immerhin aber wird der Autor als Konstrukteur,
Produzent und Hörspielmacher erkennbar, der die Verwendungsweise
des ihm zur Verfügung stehenden technischen Apparates beständig
vorführt und damit die Auroa eines immateriellen Künstlertums
verliert, wie sie den Schöpfern der reinen Wortkunstwerke der fünfziger
und sechziger Jahre zumindes von ihrer Verehrergemeinde angedichtet worden
war. Jetzt rückt nicht allein das Werk, sondern auch sein Autor in
eine Distanz, aus der beide kritisierbar werden. [...] Tonband wird zum
eigentlichen Manuskript.« |
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| »Mit dieser Herstellungspraxis (des Originalton-Hörspiels) wird zugleich einem weitverbreiteten Glauben an die Authentizität von Dokumenten widersprochen, der naiv für Wirklichkeit hält, was ihm als Dokument geboten wird. Dieser Glaube sieht nicht, daß es sich bei jedem Dokument nur um Ausschnitte handeln kann, und daß bei der Auswahl dieser Ausschnitte immer bewusst oder unbewusst manipuliert, Wirklichkeit also mehr oder weniger verfälscht wurde. Am fatalsten dürfte sich dieser Glaube im politischen Bereich auswirken. Und wenn das so ist, kann ich nicht einsehen, daß nun auch noch Hörspielautoren diesen Glauben an die Authentizität von Dokumenten fördern, indem sie ihr Material so wenig wie möglich verändern. Gerade das Original-Ton-Hörspiel gibt die Möglichkeit, durch offenes Eingeständnis der Manipulation diese aufzuheben und damit auch den Glauben an die Authentizität von Dokumenten abzubauen.[...] Wenn sich das Original-Ton-Hörspiel nicht um seine Progression bringen will, muss es wirklich Menschen nicht nur verwenden, sondern kenntlich machen. Es muss exemplarische Einzelne vor das Mikrophon bringen.« |

Ludwig Harig: Staatsbegräbnis (1969) 