1933-1945

GESCHICHTE DES HÖRSPIELS: 1933-1945
 
1933
»Der Rundfunk gehört uns«, (Joseph Goebbels).
Gleichschaltung: Ausleseverfahren, »Verzicht« auf experimentelle Hörspiele. Chorisches Sprechen dominiert (in Form des chorischen Fest- und Weihespiels).
Autoren wie Döblin, Kesser, Kasack werden nicht mehr gespielt. Andere, die sich dem Nationalsozialismus anpassen, schreiben Hörspiele, die in der bäuerlichen Welt verwachsen sind.
 
  Richard Euringer: »Deutsche Passion«
Eines der erfolgreichsten faschistischen Hörspiele.
Verkündigung des Dritten Reichs am Ende der ›Passion‹. »Selig die Lebendigen; denn ihrer ist die Zeit.« Dafür erhielt Euringer den Stefan-George-Preis, den höchsten deutschen Literaturpreis mit 10.000 Reichsmark.
   
  »Erziehung zum Kollektivgeist«
Hörspiel wird zum pseudoreligiösen Kult und immer weiter und stärker für die totalitäre Kriegs- und Nazipropaganda benutzt.
   
  Kasack: »Der Ruf«
Kasacks ›Arbeitslosenhörspiel‹ wird völkisch-nationalistisch von Ottoheinz Jahn bearbeitet – es endet mit hymnischem Optimismus.
   
  Auftragsarbeiten für verschiedene Feiern des Dritten Reichs.
Das Hörspiel wird umfunktioniert zum Propagandainstrument.
   
  Hans Flesch, Alfred Braun und andere Rundfunkschaffende werden verhaftet und in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Das Hörspiel wird konsequent für die Erziehung zum Kollektivgeist genutzt, mit Elementen religiösen Kultes durchsetzt und thematisch auf die Ziele der Nazis ausgerichtet. Die inhaltliche Orientierung geht einher mit personellen Konsequenzen durch Gleichschaltung von Institutionen.
(Quelle: Rainer Strzolka »Hörspiel in der Weimarer Republik«, S. 37 )
   
  30. Januar
Hitler wird Reichskanzler. Propagandaminister Joseph Goebbels übernimmt die politische, personelle und programmbezogene, sowie die wirtschaftliche Überwachung des Rundfunks. Der Drahtlose Dienst wird der Presseabteilung seines Ministeriums eingegliedert.
   
  15. Februar
Reichsrundfunkkomissar Bredow wird entlassen.
   
1934
›Reichsidee‹ und ›Reichsgeschichte‹ stehen im Mittelpunkt der ausgestrahlen Werke.
Eberhard W. Möller: »Weg zum Reich«
Heinz Schwitzke / Köppe: »Fahne der Jugend, Fahne des Sieges«
 
  Die ehemals selbständigen Rundfunkgesellschaften werden zu Reichssender Filialen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft.
   
  01. Januar
5.000.000 Rundfunkteilnehmer
 
1935
Im Spätabendprogramm werden für kurze Zeit nichtchorische und nichtnationalistische Hörspiele gesendet.
Günter Eich: »Weizenkantate«
Eich benutzt selbst nun chorische Mittel – vielleicht, um überhaupt noch gesendet zu werden.
 
  Günter Eich: »Königswusterhäuser Landbote«
   
  Hans Rothe: »Verwehte Spuren«
   
  12. Oktober
Jazz wird im deutschen Rundfunk verboten.
   
1936
Ove (Otto Wilhelm) Ekelund und. Günter Eich: »Ein Mann kämpft mit seinem Traum«
 
  01. Januar
8.000.000 Rundfunkteilnehmer
   
1937
Im Exil entstehen Hörspiel von zum Beispiel Bertold Brecht, Anna Seghers (einziges Hörspiel).
Anna Seghers: »Prozeß der Jeanne D’Arc zu Rouen 1431« (flämischer Rundfunk)
 
1938
Anteil der Hörspielsendungen im Rundfunkprogramm: 0,9 %.
 
  Der ›Deutsche Kleinempfänger‹ kommt für 35 Reichsmark auf den Markt; der Volksmund nennt ihn »Goebbels-Schnauze«.
   
  Paul Apel / Harald Braun: »Hans Sonnenstössers Traumspiel«
Josef-Martin Bauer: »Das tote Herz«
H.G. Wells: »The war of the world« (CBS, New York)
Die Marsmenschen kommen … , so dachten viele Hörer verängstigt, als das Hörspiel in der Inszenierung von Orson Welles gesendet wurde, und stürzten schreiend vor Angst auf die Straßen.
   
  01. Januar
9.000.000 Rundfunkteilnehmer
 
1939
Propagandastücke von 10-20 Minuten. Von ›Sieg Heil‹ bis zur ›Durchhalteparole‹.
 
  01. Januar
10.000.000 Rundfunkteilnehmer
   
  30. August
Verbot, ausländische Sender zu hören (»Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen«).
   
1940
Hans Rehberg: »Suez, Faschoda, Kapstadt«
Rehbergs Hörspiel wird während des Frankreichfeldzugs in französischer Sprache gesendet. Die englandfeindliche Haltung soll dabei gestärkt werden.
 
  Bertolt Brecht: »Das Verhör des Lukullus« (Radio Beromünster, Schweiz)
   
1941
07. September
Erste Todesurteile wegen ›Abhörens von Feindsendern‹.
   
1942
Die ›Musique concréte‹ (von Pierre Schaeffer und Jacques Copueau gegründetes Versuchsstudio) entsteht, auf das sich in den späten 60er Jahren das »Neue Hörspiel« (mit)beziehen wird und im Anschluss weiterentwickelt.
   
1945
Menschen vergast, Menschen im Krieg umgebracht, Menschen obdachlos und vertrieben – die meisten Hörspielarchive sind zerstört.
   
  23. Dezember
RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) Berlin beginnt als erster deutscher Sender mit seinem Sendebetrieb.